Abschlussarbeiten im Media Lab | 24.03.2025
Video-Porträts: Sichtbarkeit für Frauen in der Wissenschaft

Wissenschaftlerinnen aus den Porträt-Videos (von oben links im Uhrzeigersinn: Martina Prelog, Annika Freudiger, Sabine Wittmann, Sibylle Gaisser, Elena Essel, Sabine Grüner-Lempart und Carolin Durst) (© Selina Lange)
Frauen aus Wissenschaft und Forschung sind in den Medien unterrepräsentiert. Wie können Videos, zum Beispiel als Recherchehilfe für Journalist*innen, dazu beitragen, weibliche Stimmen sichtbarer zu machen und Wissenschaftlerinnen ins Rampenlicht zu rücken?
Weibliche Stimmen in den Medien kaum sichtbar
Die öffentliche Wahrnehmung von Frauen in Wissenschaft und Forschung bleibt trotz ihres bedeutenden Beitrags in vielen Disziplinen oft hinter ihren tatsächlichen Leistungen zurück. Weltweit sind 41 Prozent der Forschenden weiblich, dennoch sind Frauen in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und als Expertinnen in den Medien weiterhin unterrepräsentiert.
Laut dem Global Media Monitoring Project „Who makes the News?“ liegt der Anteil von Frauen in medialen Quellen in den Kategorien „Health Specialist“, „Academic Expert“ und „Science/Technology Professional“ weltweit zwischen 20 und 29 Prozent, in Europa ähnlich mager zwischen 25 und 32 Prozent.
Dies hat verschiedene Ursachen, die sowohl in den Strukturen der Medien als auch in der Wissenschaft begründet sind. Hinzu kommen gesellschaftliche Vorurteile darüber, was als typisch weiblich oder männlich gilt. Klischees sind tief in der Gesellschaft verankert und auch Medien greifen sie gerne auf, weil sie einen einfachen Zugang zum Publikum bieten. In Themenfeldern wie Sport, Krieg und Politik kommen immer noch deutlich mehr männliche Experten zu Wort als weibliche. Umgekehrt finden sich Frauen vor der Kamera häufiger bei Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Beauty oder Familie.
Auffallend ist auch: Je älter Frauen werden, desto weniger sind sie in den Medien sichtbar. Männer hingegen bleiben auch im Alter als Experten und Autoritäten sichtbar, wie das Global Media Monitoring Project zeigt. Ein Ungleichgewicht, das sich kaum von selbst auflöst.
Videos als Anpassung an journalistische Recherchebedürfnisse
In meiner Masterarbeit habe ich mir die Frage gestellt: Wie kann man Frauen in der Wissenschaft sichtbarer machen? Eine Möglichkeit ist, direkt bei der Suche von Journalist*innen nach Expert*innen anzusetzen und dafür gezielt Video-Porträts von Wissenschaftlerinnen zu erstellen.
Mit Hilfe verschiedener Formate und Umfragen unter Medienschaffenden habe ich Inhalte, Länge und Aufbau von Porträt-Videos getestet und angepasst. Die visuelle und emotionale Ebene von Bewegtbild bietet einen bedeutenden Mehrwert im Vergleich zur Informationsvermittlung in Textform. Dabei müssen Videos dieselben journalistischen Anforderungen erfüllen: Sie sollen präzise, klar strukturiert und faktisch korrekt sowie leicht zu verifizieren sein.
Für meine Masterarbeit habe ich zwei unterschiedliche Längen des klassischen Videoporträts im Querformat getestet und fünf verschiedene Hochformatvideos. Letztere waren alle nicht länger als eine Minute. Die Konzepte beinhalteten:
- Einblendungen
- Interviews getrennt durch grafische Banner
- Zusammenschnitte von Interviewschnipseln als Teaser
- „Fragenhagel“ nach dem Vorbild von 1Live (WDR)
- Wissenschaftlerinnen im Interview an verschiedenen Orten
Besonders viel Zuspruch erhielten das klassische Querformatvideo unter zwei Minuten sowie der „Fragenhagel“ und das Ortswechsel-Konzept. Diese geben Journalist*innen einen guten ersten Eindruck von Medientauglichkeit und Kamerapräsenz der Wissenschaftlerin.

Geschlechtergerechtigkeit für mehr Vielfalt
Geschlechtergerechtigkeit im Journalismus und in der Medienbranche ist von großer Bedeutung. Denn ohne diverse Stimmen fehlen Perspektiven und Vorbilder. Eine Gesellschaft, die Vielfalt ernst meint, braucht auch eine gelungene mediale Repräsentation ihrer diversen Expert*innenmeinungen - Porträt-Videos zur besseren Auffindbarkeit von Wissenschaftlerinnen sind ein Anfang.
Selina hat nun das Förderprogramm für Abschlussarbeiten durchlaufen. Du hast auch ein spannendes Thema? Melde dich bei uns!